{"id":1269,"date":"2016-05-20T09:32:19","date_gmt":"2016-05-20T08:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psnv-saarland.de\/?p=1269"},"modified":"2016-06-04T10:08:59","modified_gmt":"2016-06-04T09:08:59","slug":"wer-ist-ein-notfallseelsorger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/notfallseelsorge.saarland\/index.php\/blog\/in-eigener-sache\/wer-ist-ein-notfallseelsorger\/","title":{"rendered":"Wer ist ein Notfallseelsorger?"},"content":{"rendered":"<p>Ab und zu werden wir von Privatpersonen oder Feuerwehr- bzw. Rettungsdienstleuten gefragt, wer als Notfallseelsorger gilt und wie man ihn in den laufenden Einsatz einbinden kann. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Die Strukturen sind bundesweit noch zu jung, um in wenigen Worten eine Antwort geben zu k\u00f6nnen. Deshalb bieten wir in diesem Beitrag einige wesentliche Merkmale zur Unterscheidung an. Das geht nicht, ohne die Entstehungsgeschichte zu kennen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In aller K\u00fcrze k\u00f6nnen wir \u00fcber den saarl\u00e4ndischen Notfallseelsorger, im Fachjargon <strong>PSNV-Fachkraft der NKS e.V.<\/strong>, folgendes festhalten:<\/p>\n<ul>\n<li>Bekleidet mit einer Jacke oder Weste der Farbe <strong>Lila<\/strong> (Violett ist unsere Erkennungsfarbe an der Einsatzstelle)<\/li>\n<li>Besitzt einen <strong>Dienstausweis<\/strong>, auf dem auch die zust\u00e4ndige Katastrophenschutzbeh\u00f6rde steht<\/li>\n<li>Tr\u00e4gt <strong>unser Logo<\/strong> auf der Einsatzkleidung (Brusth\u00f6he)<\/li>\n<li>Hat ein mehrstufiges Bewerbungs- und Auswahlverfahren durchlaufen<\/li>\n<li>Absolvierte eine Ausbildung von <strong>160 Stunden Theorie<\/strong> mit schriftlicher und m\u00fcndlicher <strong>Pr\u00fcfung<\/strong><\/li>\n<li>Sammelte in <strong>10 Eins\u00e4tzen<\/strong> gen\u00fcgend Erfahrung und legte <strong>2 praktische Pr\u00fcfeins\u00e4tze<\/strong> ab<\/li>\n<li>Ist <strong>eingebunden in die Einsatzgruppe des Landkreises<\/strong> und nimmt regelm\u00e4\u00dfig an den Dienstbesprechungen teil<\/li>\n<li><strong>Reflektiert seine Arbeit<\/strong> fortlaufend durch Supervision und Intervision<\/li>\n<li>Nimmt regelm\u00e4\u00dfig an <strong>Fortbildungen<\/strong> teil<\/li>\n<li>Kann <strong>auf Wunsch<\/strong> im Einsatzfall Kontakt zum zust\u00e4ndigen Ortsgeistlichen (Pfarrer\/Pastor) herstellen bzw. mit den Betroffenen ein passendes Gebet sprechen<\/li>\n<li>Achtet religi\u00f6se und weltanschauliche <strong>\u00dcberzeugungen der Betroffenen<\/strong><\/li>\n<li>Sofern er\/sie ein\/e <strong>Geistliche\/r<\/strong> ist, hat er\/sie vor Gericht ein <strong>Zeugnisverweigerungsrecht<\/strong><\/li>\n<li>Begleitet Betroffene so lange, bis das <strong>soziale Netz<\/strong> (Familie, Freunde, Nachbarn, Amt) aufgebaut ist und dieses die Betreuung\/Begleitung fortf\u00fchrt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum hei\u00dfen wir nun Notfallseelsorger, wenn nicht alle ausgebildete Theologen sind?<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;<strong>Notfallseelsorge<\/strong>&#8220; ist relativ neu. Die Kombination aus &#8222;<strong>Notfall<\/strong>&#8220; (manchmal auch &#8222;Unfall&#8220;) einerseits und &#8222;<strong>Seelsorge<\/strong>&#8220; andererseits verbindet ein pl\u00f6tzliches Geschehen, das die Betroffenen traumatisieren kann, mit der Sorge um die Seele des Menschen. Den religi\u00f6s gepr\u00e4gten Begriff &#8222;<strong>Seele<\/strong>&#8220; kann man auch mit &#8222;<strong>Psyche<\/strong>&#8220; ersetzen, doch der geschichtliche Hintergrund ist nun mal religi\u00f6s. Es waren katholische und evangelische Geistliche, die aus ihrem Amt heraus zur Seelsorge auch in Notf\u00e4llen kamen. Dies geh\u00f6rt zu ihren klassischen Aufgaben. Sie hatten auch die richtige Erfahrung und einen ge\u00fcbten Umgang mit dem Sterben und dem Tod. So entstand die Notfallseelsorge im Saarland <strong>1996<\/strong> durch die Zusammenarbeit der Feuerwehr mit Pastor Peter Breuer und Pfarrer Rolf Kiwitt &#8211; um nur zwei zu nennen. Nach und nach kamen weitere Geistliche (durch die Ordination mit dem Recht auf <strong>Zeugnisverweigerung vor Gericht<\/strong> ausgestattet) sowie viele Laien aus verschiedenen Organisationen (die allerdings nicht \u00fcber das Zeugnisverweigerungsrecht verf\u00fcgen).<\/p>\n<p>Parallel dazu setzt sich die <strong>Psychologie<\/strong>, besonders die Psychotraumatologie, mit dem Thema auseinander. Es entstand als neue Bezeichnung &#8222;<strong>Psychosoziale Unterst\u00fctzung<\/strong>&#8222;, kurz <strong>PSU<\/strong>. Die Notfallseelsorge wird in diesem Kontext als &#8222;<strong>Krisenintervention<\/strong>&#8220; bezeichnet und eine Einsatzgruppe als &#8222;<strong>Kriseninterventionsteam<\/strong>&#8220; (kurz KIT). Im Saarland decken heute die 6 Einsatzgruppen beide Bereiche ab. Der 2007 gegr\u00fcndete gemeinn\u00fctzige Verein &#8211; hervorgegangen aus der Arbeitsgemeinschaft von 1996 &#8211; hei\u00dft daher &#8222;Notfallseelsorge und Krisenintervention Saarland e.V.&#8220;, kurz NKS e.V.<\/p>\n<p>Im sogenannten &#8222;Konsensus-Prozess&#8220; in der Bundesrepublik hat sich dann unter der F\u00fchrung des <strong>Bundesamtes f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe<\/strong> schlie\u00dflich der sperrig klingende Begriff &#8222;<strong>Psychosoziale Notfallversorgung&#8220;<\/strong> (kurz <strong>PSNV<\/strong>) als Fachbezeichnung durchgesetzt. Damit wird aktuell das Aufgabengebiet als ganzes bezeichnet. Alle diese Bezeichnungen tragen wir im Namen des Vereins oder dieser Webseite, doch bis heute ist der Begriff &#8222;Notfallseelsorge&#8220; am gel\u00e4ufigsten. Im Saarland wurde 2008 die Notfallseelsorge und Krisenintervention Saarland e.V. durch die besondere Anerkennung aller Landkreise und durch die allgemeine Anerkennung des Landes als einzige Organisation mit der hoheitlichen Aufgabe der Psychosozialen Notfallversorgung betraut. <strong>Das ist bisher immer noch einzigartig in Deutschland.<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort &#8222;Notfallseelsorge&#8220; ist <strong>kein gesch\u00fctzter Begriff<\/strong>, ebensowenig wie &#8222;Seelsorge&#8220;. Jeder Christ, jede Christin ist aufgerufen, in der Not einem Menschen beizustehen. Immer mehr Menschen benutzen dieses Wort, meinen aber die <strong>qualifizierte Psychosoziale Notfallversorgung<\/strong>.<\/p>\n<p>In unserem Verein erfolgt eine umfangreiche Fachausbildung von 160 Stunden zuz\u00fcglich zahlreicher Praktika und Reflektionsphasen, damit die Seelsorge auch unter extremen Bedingungen sach- und menschengerecht ausge\u00fcbt werden kann. Das stellen unsere <strong>Fachkr\u00e4fte<\/strong> sicher, die ohne Ausnahme <strong>ehrenamtlich<\/strong> arbeiten. <strong>Das Saarland und seine Landkreise<\/strong> sichern der Bev\u00f6lkerung eine solche umfassende Versorgung zu, indem sie die Notfallseelsorge und Krisenintervention Saarland e.V. mit der Wahrnehmung dieser Aufgabe beauftragt haben. Dabei ist der Verein eng <strong>mit den ev. und kath. Landeskirchen und Bist\u00fcmern<\/strong> auf dem Gebiet Saarland und Rheinland-Pfalz verbunden.<\/p>\n<p>An Einsatzstellen hat jeder Einsatzleiter (ob von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei) somit das Recht, einen selbsternannten &#8222;Notfallseelsorger&#8220; des Platzes zu verweisen und einen unserer Kollegen und Kolleginnen \u00fcber die Integrierte Leitstelle anzufordern.<\/p>\n<p>Es bleibt uns die Frage, wer die <strong>qualifizierte Psychosoziale Notfallversorgung<\/strong> zu leisten imstande ist. Der bereits genannte bundesweite Konsens, dem das BBK, der Malteser-Hilfsdienst sowie das DRK zugestimmt haben, nennt eine Ausbildung von 80 Unterrichtsstunden als ein absolutes Minimum. Die praktische Ausbildung wurde nicht eindeutig geregelt. Einige Organisationen verzichten darauf ganz und nehmen es billigend in Kauf, dass unerfahrene Theoretiker den Betroffenen schaden k\u00f6nnen &#8211; nicht b\u00f6swillig, sondern aus Mangel an Erfahrung, die man nur als Begleiter sammeln kann. Unser Verein fordert von allen neuen Kollegen, dass sie 10 Eins\u00e4tze begleitet und reflektiert haben, bevor ihre T\u00e4tigkeit in zwei Eins\u00e4tzen begutachtet wird. Qualit\u00e4t kommt vor Quantit\u00e4t!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab und zu werden wir von Privatpersonen oder Feuerwehr- bzw. Rettungsdienstleuten gefragt, wer als Notfallseelsorger gilt und wie man ihn in den laufenden Einsatz einbinden kann. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. 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